Vorwort

>>Der Versuch, das Pathos in meinem Denken, Leben und Schreiben auszuradieren wie missglückte Striche in einer sonst vollkommenen Zeichnung – wohin sollte er führen? Was soll ohnehin dieses einfältige Unterscheiden? Auf der einen Seite mein Leben, auf der anderen mein Denken? Und mein Schreiben auf einem wieder anderen Blatt?  Ich kann doch nicht schreiben, ohne auch nur ein bisschen gelebt zu haben, und ich kann nicht leben, wenn ich meine Geschichte weiter festhalte. Nichts als albern wäre es, wenn ich das täte, nur weil die Leidenschaft dem Einen lästig, und die Theatralik dem Anderen allzu aufgesetzt scheint. Deshalb äußere ich, was sich anders nicht nicht zeigen will, sei es noch so pathetisch: Ich habe all diese Erinnerungen aufgehoben, gespeichert, habe gelebt mit dem ewig antizipierten Dammbruch, der doch niemals eingetreten ist. Wahrscheinlich haben selbst meine vorsprachlichen Erlebnisse mein Unterbewusstsein belagert, bis zum Bersten ausgefüllt, das Nichtsagbare habe ich konserviert für Zeiten, in denen ich in der Lage sein würde, zu sprechen. Es ist das Widersinnigste, was ich tun kann, und nichts als paradox: Ich versuche zu vergessen, in dem ich mich erinnere, und ich muss schnell schreiben, bevor der Nebel mich wieder einhüllt.<<

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